Kelvin als Naturkonstante?

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Naturkonstanten entstehen in universellen Relationen physikalischer Größen. Ihre Größenwerte ergeben sich naturgemäß in Abhängigkeit von willkürlich vereinbarten Einheiten, weshalb es umgekehrt möglich ist, die Einheit einer Größe aus dem willkürlich vereinbarten Größenwert einer solchen Naturkonstante abzuleiten.

Die „Resolution 1“ der 24. Generalkonferenz für Maß und Gewicht vom 21. Oktober 2011 [Quelle, Seite 26] gibt nunmehr auch ganz offiziell zu bedenken, …

… dass das Kelvin gegenwärtig über intrinsische Eigenschaften des Wassers definiert ist, d.h. praktisch von der Isotopenzusammensetzung von Wasser abhängt, obwohl es eine Naturkonstante (invariant of nature) sei.
… dass es möglich sei, das Kelvin auf einen Wert der boltzmannschen Konstanten zurückzuführen.

Die boltzmannsche Konstante – und mit ihr in gewisser Hinsicht auch das Kelvin – wäre jedoch nur dann eine Naturkonstante im obigen Sinne, wenn die Temperaturfunktion des Idealen Gases universell, d.h. zustandsunabhängig anwendbar wäre. Da genau das bekanntermaßen nicht zutrifft, ist mit dem Übergang vom Wasser zu einem verdünnten Gas keine grundsätzliche Emanzipation von intrinsischen Eigenschaften verbunden.

Die boltzmannsche Konstante ist schon deswegen keine Naturkonstante im obigen Sinne, weil sie nicht aus einer universellen Relation physikalischer Größen, sondern aus dem Produkt eines physikalisch bedeutungslosen Skalierungsfaktors (Universelle Gaskonstante) mit einer bereits definierten Naturkonstanten (Elementarmenge des Stoffs bzw. avogadrosche Konstante) hervorgeht.

Das Ringen um eine „thermische“ Naturkonstante kann also mit der boltzmannschen Konstanten, die die Skalen der thermischen Zustandsfunktionen von Stoff und Licht zur Deckung bringt, nicht gewonnen werden. Es wird erst erfolgreich beendet sein, wenn die Elementarmenge bzw. die Quantennormaldichte der Entropie als Naturkonstante entdeckt und diese in das Internationale Einheitensystem (SI) integriert wird.