Geburt der Meterkonvention

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Das Projekt „Urmeter“ aus der Zeit der Französischen Revolution beruhte auf der Idee, dass ein wahres Längennormal aus einer Vorschrift hervorgehen müsse, die sich global stets mit gleichem Ergebnis erfüllen lässt:

Wo immer auf unserem Planeten – egal in welchem Staat oder bei welchem Volk – ein Meridianquadrant der Erde vermessen würde, sein 10.000.000ster Teil hätte immer dieselbe Länge.

Während der sog. „Meridianexpedition“ von 1792 bis 1799 wurde dieser Erdmeridianquadrant zwischen Dunkerque und Barcelona – also durch Paris hindurchgehend – vermessen, und die Länge des gesamten Erdmeridianquadranten anhand der damals bekannten Krümmung der Erdoberfläche hochgerechnet. Das Ergebnis dieses Unternehmens wurde durch eine internationale Wissenschaftler-Konferenz 1799 in Paris akzeptiert, woraufhin ein Ur-Meter berechnet und konstruiert wurde.

Die Gestalt der Erde sollte sich rasch als so unregelmäßig herausstellen, dass die Einheit der Länge auf verschiedenen Längengeraden viel zu unterschiedlich dargestellt worden wäre, zumal ja auch nicht zu erwarten ist, dass sonstige bewohnte Planeten des Kosmos von irdischer Geometrie und von daher mit demselben Meter ausgestattet sein würden.

Da sich die ursprüngliche revolutionäre Absicht mit dem „Urmeter“ auf dem eingeschlagenen Weg nicht erfüllen ließ, war man wieder auf ein willkürlich festgelegtes Unikat zurückgeworfen – diesmal allerdings mit der Aussicht, dass es weltweit anerkannt würde: Am 20. Mai 1875 wurde von 17 Unterzeichner-Staaten die „Internationale Meterkonvention“ beschlossen, um Maß und Gewicht untereinander zu vereinheitlichen. Insbesondere wurde auch die Übernahme des Urmeters und des Urkilogramms als Maßeinheit beschlossen.

Delegierte der Unterzeichnerstaaten sollten sich alle vier bis sechs Jahre zur „Conférence Générale des Poids et Mesures” (CGPM) versammeln, um wesentliche Beschlüsse zu fassen. Und so wurde der Urmeter aus der Französischen Revolution am 26. September 1889, also 90 Jahre nach seiner Erschaffung, von der CGPM durch einen neues Unikat ersetzt, diesmal aus 90 % Platin und 10 % Iridium legiert. Die Länge eines Meters wurde durch den Abstand zweier eingebrachter Striche bei einer Temperatur von 0 °C repräsentiert. Diese Längendefinition besaß eine Genauigkeit von 10-7 und war damit um drei Größenordnungen genauer als das Urmeter von 1799.

Es wurden dreißig nummerierte Kopien dieses Urmeters hergestellt und an die Mitgliedsstaaten der Meterkonvention verlost. Bayern erhielt die Kopie Nr. 7 und das Deutsche Reich die Kopie Nr. 18. Beide Kopien kamen schließlich in den Besitz der DDR. So erwarb die BRD 1954 die Kopie Nr. 23 von Belgien, das über eine flämische und eine wallonische Kopie verfügte. Alle drei Exemplare befinden sich heute in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig.