Meter

  Vorangehende Seite Nächste Seite Für die Druckfunktion wird JavaScript benötigt!  

Am 11. Juli 1884 erneuerte Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen etc. die Maaß- und Gewichtsordnung von 1868, die für den Norddeutschen Bund ergangen war: „Die Grundlage des Maaßes und Gewichtes ist das Meter.“ Damit war die Zeit der Einheitenvielfalt für das mittlerweile einheitliche Rechtsgebiet des Deutschen Reiches endgültig vorbei. Die Vielfalt der Elle reichte zuvor von 40,38 cm in Erfurt bis 79,90 cm in München [Wynands/Goebel 2010, 34]. Eine Vereinheitlichung des Maaßes sollte Handel und wirtschaftliche Entwicklung beflügeln.

Die Idee aus der Zeit der Französischen Revolution, ein unwillkürliches Maßsystem zu entwickeln, das sich ohne Dünkel auch international verwenden ließ, hatte sich damit ein weiteres Mal entzündet. Nach und nach verständigten sich fast alle Völker der Welt auf ein gemeinsames Längenmaß, das an ihrem Heimatplaneten orientiert war: der zehnmillionste Teil eines Erdmeridianquadranten, also des Bogens vom Pol zum Äquator.

Mit dem Gesetz war auch eine Eingrenzung eichbarer Maße verbunden, die sich weiterhin an praktischen Untereinheiten orientierte, sich jedoch vom historisch gewachsenen sog. anglo-amerikanischen Maßsystem löste, das an hochzusammengesetzten Zahlen orientiert ist. Durch die Zerlegbarkeit bzw. Aneinanderreihbarkeit des Längennormals im Rahmen eines Stellenwertsystems kann es letzten Endes sowohl auf Elementarteilchen als auch auf den Kosmos angewendet werden.

Über 160 Jahre lang mussten nationale und regionale Längennormale über eine Kette von Kopien mit dem Urmeter in Paris kalibriert werden (Kalibrierhierarchie). Schließlich wurde der Meter 1960 als ein bestimmtes Vielfaches der Wellenlänge derjenigen Strahlung definiert, die bei einer bestimmten Zustandsänderung im Kern eines Kryptonatoms entsteht. Diese Vorschrift war bedeutend einfach nachzuvollziehen als die Vermessung eines Meridianquadranten, zumal dieser – wie sich herausgestellt hatte – von Längengrad zu Längengrad nicht ausreichend gleich ausfiel, weswegen man sich ohnehin auf ein Unikat einigen musste, solange keine ausreichend genau Vorschrift zur Herstellung eines Längennormals existiert hatte.

Nachdem sich die Sekunde (SI-Einheit der Zeit) aus einem äußerst präzisen atomaren Zeitnormal ableiten ließ, legte man auf der 17. Generalkonferenz für Maße und Gewichte (CGPM) am 20. Oktober 1983 die Naturkonstante „Lichtgeschwindigkeit im Vakuum“ auf 299.792.458 m/s fest und definierte demzufolge ein Meter als „die Strecke, die das Licht im Vakuum in einer Zeit von 1 / 299.792.458 Sekunde zurücklegt“. Eine alternative Definition lautet: „Die SI-Vakuumlichtgeschwindigkeit beträgt 299 792 458 m/s“. Damit war der erste Schritt einer metrologischen Reformbewegung getan, ein dauerhaftes Maßsystem zu errichten, das sich ausschließlich auf Naturkonstanten stützt.