Mechanisches Größensystem

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Die mechanischen „Urgrößen“ der Physik – Länge, Masse und Zeit – korrespondieren mit dem bis 1954 als verbindlich vereinbarten MKS-Einheitensystem. Der für lange Zeit exklusive Fokus auf mechanische Einheiten erklärt sich nicht allein aus der historisch bedingten Vormachtstellung der Mechanik in der Physik. Offenbar war auch keine dringende Notwendigkeit gegeben, für andere grundlegende Einheiten einen weltweit gültigen Standard einzuführen.

Die Idee, dass die Welt nur aus Massepunkten bestehen könne, wurde durch die Entwicklung der Quantentheorie und der Relativitätstheorie völlig obsolet. Während die Quantentheorie ein neues Verständnis von „Observablen“ entwickelte, warf die Relativitätstheorie neues Licht auf die Natur „invarianter Normale“: Während die Einheiten der mechanischen Größen vom Bewegungszustand des Beobachters abhängen, sind die der extensiven Größen invariant.

Auch die eigentliche Universaltheorie der klassischen Physik – die Wärmelehre – geht zur Beschreibung der Natur völlig anders vor als die Mechanik und entwickelt ein Größensystem, das nur auf physikalischen Mengen aufbaut. Dabei glaubt sie, ausgerechnet auf eine konsistente Definition der Entropie – dem „Stoff“, aus dem die Wärme besteht – als Mengengröße verzichten zu können und gibt sich mit der Gastemperatur als universellem thermischem Potential zufrieden, um der Entropie Gestalt zu verleihen.

Das Internationale Größensystem (ISQ) ist gegenüber dem klassischen Größensystem um vier Größen erweitert. Mit der Übernahme von Stoffmenge, Ladungsmenge und Lichtmenge in den Kanon der Basisgrößen wird dem methodischen Ansatz der Wärmelehre gefolgt, mit der Übernahme der Thermodynamischen Temperatur wird jedoch auch der zentralen methodischen Schwäche der Wärmelehre blind gefolgt.