Weitere Missverständnisse

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Die Aussage, dass die Entropie eines geschlossenen Systems nur zunehmen könne, wird mit Hilfe des „Zweiten Hauptsatzes“ abgeleitet. Sie beruht auf einem Missverständnis, das sich aus dem Versäumnis speist, die bei der Entropiedefinition implizit eingeflossenen Annahmen zu reflektieren

Die Ableitung bezieht sich auf eine entropie-adiabate Zustandsfolge mit nicht-konstantem Entropieinventar. Einerseits wäre eine solche Zustandsfolge ein natürliches Objekt der Wärmelehre, da sie die Teilmenge einer regulären systemischen Zustandsmenge bildet. Andererseits darf ihr kein Platz in der Wärmelehre eingeräumt werden, weil sie der implizit eingeflossenen Erhaltungseigenschaft der Entropie widerspricht.

Dieses Dilemma löst die Wärmelehre auf folgende Weise: Die entropie-adiabate Zustandsfolge mit nicht-konstantem Entropieinventar wird als „Selbstläufer“, als spontan ablaufender Vorgang interpretiert und damit der Wärmelehre entrückt. Auf diese Weise bleibt die Wärmelehre „sauber“, nämlich ein Hort nicht-quellender Entropie.

Diese Interpretation scheitert jedoch an folgendem logischen Fehler: Anfangs- und Endzustand des betrachteten „Prozesses“ sind Gleichgewichtszustände, die zudem durch eine Folge von Gleichgewichtszuständen verbunden sind. Es ist unlogisch, dass sich zwei Gleichgewichtszustände, die über eine Kette von Gleichgewichtszuständen verbunden sind, durch einen „Ausgleichsvorgang“ ineinander überführen lassen.

Mengen von Gleichgewichtszuständen gehören ausnahmslos in die Wärmelehre, auch wenn Elemente aus ihnen nur in eine Richtung (durch entsprechende Bestromung) auseinander hervorgehen können. Deshalb handelt es sich bei der clausiusschen Ungleichung auch lediglich um eine Zwangsbedingung an das thermische Potential des Systems, welche insbesondere für eine entropie-adiabate Zustandsfolge zum Tragen kommt, die mit einer Produktion von Entropie verbunden ist. Obwohl sich diese Zustandsfolge nicht kompensationsfrei umkehren lässt, müssen sich die zu ihr gehörigen Zustände lückenlos aus den Zustandsfunktionen des Systems ergeben.