Stellvertreterpolitik

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In der Abbildung (4.1), die wesentliche extensive Größen zusammen mit ihren jeweiligen energiekonjugierten intensiven Größen listet, werden zwei „negative“ intensive Größen aufgeführt. Diese Vorzeichen erscheinen jedoch nicht, weil diese Größen so definiert wären. Sie erscheinen vielmehr, weil nicht die eigentlichen Pensa des Systems eingetragen sind, sondern die in der Systemumgebung entstehenden jeweiligen „Gegen-Pensa“.

So handelt es sich bei der „negativen Volumenarbeit“ um das Pensum desjenigen reinen Impuls-Reservoirs, mit dem der Kolben des Systems wechselwirkt. Und bei der „negativen mechanischen Arbeit“ handelt es sich um das Pensum desjenigen Kraftfeldes, mit dem der Systeminhalt wechselwirkt, wobei i.a. ungeklärt bleibt, um welches Reservoir bzw. um welche physikalische Menge es sich dabei handelt, da ein solches Pensum im allgemeinen auch nicht berücksichtigt werden muss.

Dass das eigene impulsive Pensum gegen das eines externen Impuls-Reservoirs ausgetauscht wird hat einen pragmatischen Grund: Während die spektrale Verteilung des Impulses im System selbst i.a. unbekannt bleibt, ist die des externen Impuls-Reservoirs – insbesondere wenn es sich um einen starren Körper handelt – und damit auch dessen Energie gegeben. Diese Stellvertreterpolitik würde folgenlos bleiben, unterschieden sich Pensum und Gegen-Pensum grundsätzlich nur um das Vorzeichen.

Das dem im allgemeinen nicht so ist, zeigt sich insbesondere bei der Energiebilanz des notorischen gasgefüllten Arbeitszylinders, dessen Kolben entropie- und stoffadiabat expandiert. Bei dieser Energiebilanz berücksichtigt die Wärmelehre nur Volumenarbeit. Das ist energetisch korrekt, weil die Energieänderung des Kolbensystems und die Energieänderung der von ihm beschleunigten Masse identisch sind. Jedoch wird die Energieänderung des Kolbensystems auf diese Weise nicht in seine Pensa aufgeschlüsselt, welche nicht nur mechanischer, sondern insbesondere thermischer und chemischer Natur sein können. Die Behandlung von Stoff- und Entropiemenge als Erhaltungsgrößen trägt wesentlich dazu bei, das Missverständnis zu zementieren, mit der Volumenarbeit das korrekte mechanische Pensum des Kolbensystems zu veranschlagen.

Auch kapazitativ, d.h. über eine Wärmekapazität abgerechnete thermische Pensa werden letztlich über die energetische Unterschiede in der Peripherie abgerechnet.